Waldemar Stefan (RDB e.V.) über Integration in Flensburg

Autor: Bearb. von Kilian Weber | Tags: theater kultur flensburg integration

...Es ist mir sehr angenehm, heute so viele Menschen zu sehen, die sich mit der Integration beschäftigen. Für uns ist es auch sehr wichtig.

 

Ich beschäftige mich damit mehr als 10 Jahre. Vor 5 Jahren habe ich das Theater organisiert, welches den Namen "Russisch-Deutsche Bühne" trägt. Wir stellen die Stücke in zwei Sprachen - russisch und deutsch. In 5 Jahren haben wir 6 Premieren in zwei Sprachen gefeiert, was nichts anderes heißt als dass wir12 neue Vorstellungen vorbereitet haben. Es ist sehr angespannte und harte Arbeit...Alle unsere Schauspieler sprechen gut deutsch, lernen, arbeiten und studieren. Es kommen immer mehr neue Zuschauer zu uns.

 

Unser Projekt heißt  "Integration durch Kultur" - nach fünf Jahren kann man sagen, dass  das Projekt sehr erfolgreich ist. Also auch wir machen Integration. Das heißt – wir sind Kollegen...

 

Und nun möchte ich Sie fragen: Haben Sie auch kein Raum für Ihre Arbeit? Machen Sie das auch ohne Gehalt, ohne Honorar? Denn, wo bleibt das Geld, das für die Integration ausgegeben werden soll? Warum arbeiten alle Ausländer, die sich mit den Integrationsprojekten (z. B.  sportlich und kulturell) beschäftigen, umsonst? Erklären Sie mir bitte, was bedeutet " Integration ist keine Einbahnstraße». Ich bin damit einverstanden. Aber warum kommt niemand uns entgegen? Warum suche ich schon seit fünf Jahren den Raum für unser Theater – und weiterhin erfolglos? Oberbürgermeister und Stadtspräsident sagen, dass es keine Möglichkeit gibt. In der Universität gibt es für uns keine freien Räume. Glauben Sie daran? Ich nicht. In  großen und guten Räumen der Kirche sind alle Tage und Abende besetzt – dort beschäftigen sich die Frauen mit der Aerobic, Rentner trinken Kaffe, Kinder malen und spielen. Für alle gibt es Zeit und Raum, bloß  nicht für uns. Brauchen Sie dafür die Bühne? Und warum brennt abends in den kirchlichen Fenstern  gar kein Licht ? Weil es dort leer ist!

 

Um eine Vorstellung auf der kleinen Bühne des Landestheaters zu spielen, sollen wir 1000 Euro bezahlen…  Die Theaterschule hat uns sogar noch einfacher gemacht. Sie sagten nämlich ganz einfach – "Lassen Sie uns in Ruhe..."

 

Nun habe ich alles verstanden... Integration ist nötig nicht für uns – die Gesellschaft braucht Integration. Unser Problem ist nicht die Integration, sonder die Gleichgültigkeit. Die Gleichgültigkeit ist ein Weg zum Parallelgeselschaft. Schauen Sie an, wer zum multikulturellen Woche kommt. Nur die Teilnehmer selber – Türken, Griechen, Aussiedler, Juden, Iraner usw. Obwohl, eventuell kommen auch  der Stadtpräsident oder der Oberbürgermeister. Für 10 Minuten...

 

Und vergeblich werden Sie in den Zeitungen nach Berichten über diesen hellen Feiertag warten – diese erscheinen einfach nicht. Weil es für niemanden interessant ist!

 

Ich wollte mich nicht beklagen,  ich wollte Danke sagen. Danke an denen die uns helfen. Es ist Kulturbüro – von ihm bekommen wir jährlich 1000 Euro. Es ist liebe Nazli – sie hat uns den kleinen Raum auf der Schloßstraße gegeben. Es ist Schriftsteller Günter Strempel, er korregiert unsere Übersetzungen. Ohne Hilfe von diesen Menschen könnten wir nicht arbeiten...

 

Schade, dass solche Leute ganz wenig gibt.

 

Danke!

 

(Die Rede ist am 03.10.2008 aufgezeichnet worden)

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