Ein einsamer Rufer in der Wüste - Jesus von Nazareth

Autor: Robert Ludwig | Tags: jesus leben religion mensch

Eine Gestalt, die wie ein Orkan weht über die Zeiten hinweg, gilt als der Glaubensbringer im Neuen Testament – Jesus von Nazareth, genannt der Christus. Die meisten denken, er sei der Religionsgründer im Christentum. Nichts von alledem! Er brachte einzig und allein den Glauben und ging den schmalen Weg wie mit einer Fackel gleich voran, um uns den Weg zu weisen. „Moment mal!“, würden einige einwenden, „wer hat die Kirche denn sonst gegründet?“ Eines kann ich versichern, zu seiner Zeit gab es Kirchen nicht, denn er wuchs als Jude auf und kannte höchstens Synagogen, darin er schon mit 12 Jahren heiße Gespräche pflegte. Auch der griechischen Sprache war er nicht mächtig, auch wenn die Evangelisten seine Botschaft auf Griechisch verkündeten.

 

Vor einiger Zeit war ich in Ipswich, also östlich von England. Dort wollte ich so manche Kirche besuchen, denn es interessiert mich sehr, wie verschieden Kulturen gewahrt werden. Ich stellte fest, dass die meisten Türen verschlossen waren. Es verblüffte mich, dass die Kirchen keinen freien Zugang gewährten. Nein, denke ich so für mich hin, dass kann Jesus nicht gewollt haben – verschlossene Türen. Er hätte für ständig offene Kirchen plädiert, wenn er sie denn gegründet hätte. Das meint Jesus mit dem Glauben: eine Offenheit gegenüber allen Menschen, eine Liebe, die an keinen Bedingung knüpft, die den Menschen nicht verurteilt, sondern ihn annimmt mit seinen Stärken und Schwächen. Er macht uns in der Bergpredigt klar, dass Gott regnen lässt über gute und böse Menschen, so lässt er auch die Sonne scheinen über beide.
Um die Radikalität seiner Überzeugung zu veranschaulichen, ist keine Geschichte provokanter und aufrüttelnder als die ‚Vom barmherzigen Samariter’. „Wer ist mein Nächster?“, stellte einmal ein Klugscheißer die Frage an Jesus, um ihn reinzulegen. Er beantwortete die Frage durch folgende Geschichte:
 
Ein Mann ging eines Tages von Jerusalem nach Jericho und viel unter brutale Banditen. Er wurde zusammengeschlagen, verprügelt, ausgeraubt und so voller Qualen am Boden hinterlassen. Da kam des Weges ein Priester. Er sah den Schwerverletzten und ging vorüber. Nach ihm kam ein Levit (Schüler der Priester). Auch er sah den Schwerverwundeten und ging ebenfalls  vorüber. Zum dritten kam ein Samariter. Er sah den am Boden liegenden Mann, ging sofort zu ihm, leistete ERSTE HILFE vor Ort, nahm ihn mit und sorgte sich um ihn.
 
Was soll die Geschichte? Und wer ist ein Samariter? Zur damaligen Zeit gehörte er zur Minderheit. Jesus will also sagen, dass der mein Nächster ist, von dem wir es am wenigsten vermuten. Die Geschichte zeigt, dass die Priester, Rechtsgelehrten, Kapitalisten meistens ständig in Eile sind und kaum Zeit haben und erst recht nicht für einen Menschen, der wirklich Hilfe nötig hat. Es könnte sein, dass es zumeist die vom Staat ausgeschlossenen, nicht-integrierten Menschen sind, die bereit sind anderen zu helfen. Deutschland würde erschrecken, wenn es hieße, dass Polen, Türken und Russen eher bereit sind, für andere Menschen da zu sein, eben weil es die Mehrheit ihnen nicht zutraut. Selber zu Hilfe werden! Nicht warten und wegsehen, sondern hingehen und anpacken! Nicht sich selber zum Opfer machen, sondern mutig für das Opfer einstehen, meint die Botschaft Jesu. Wir sollen alle mithelfen, dass Leben zu bewahren und uns nicht daran vergreifen. Die Offenheit kann uns fähig machen. Ich kann den anderen Menschen nur begegnen, wenn ich mich ihm öffne. Wie wäre es, wenn die Deutschen Gastgeber werden, für alle, die sich nicht integrieren konnten, wenn sie nicht sagen Aus-Länder, sondern Neu-Deutsche, wenn man sie empfängt wie einen Bruder. Das bedeutet erst Glauben, wie ihn Jesus gemeint hat. Er war ein einsamer Rufer in der Wüste. Einige folgten seinen Ruf, andere missbrauchten ihn für die Kirche. Ich würde mir wünschen, wenn wir die Kraft seines Glaubens spüren lernen und bereit sind uns für die Welt zu öffnen.
 

 

"Disputà del Sacramento" (Fresko), Vatikan um 1509, sign. Raffael

Foto (c) by Alexej Kinder

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