Ich spiele niemandem was vor...

Autor: Kilian Weber | Tags: interview kiel integration deutschland koray özdemir

 

Koray Özdemir* ist 22 Jahre alt und in Kiel geboren. Seine Eltern kommen beide ursprünglich aus der Türkei und leben seit 30 Jahren in der Hauptstadt Schleswig - Holsteins. Uns gegenüber hat sich Koray bereit erklärt, ein Interview über seine Erfahrung mit der Integration in Deutschland zu geben.
 
Easttalk: Nenne bitte deinen Namen, dein Alter und das was du beruflich machst.
 
K: Ich bin Koray, bin  22 Jahre alt, lebe in Kiel, wo ich geboren bin, studiere in Hamburg Jura und arbeite noch nebenbei als Kellner. Meine Eltern kommen ursprünglich aus der Türkei. Sie sind vor 30 Jahren nach Kiel gezogen, wo sie auch seit 30 Jahren arbeiten. Geboren bin ich in der Uni – Klinik, aufgewachsen in Kiel – West, also nicht im Gaarden.
 
Easttalk: Was sind deine Hobbys, was machst du gerne, reist du gerne, machst du Sport…?
 
K: Ich reise super gerne, auf jeden Fall in warme Länder, da mir es hier im Norden zu kalt ist und mache viel Sport.
 
Easttalk: Wie findest Du im allgemeinen Kiel? Ist das eine schöne Stadt, eine Stadt mit einem gewissen Flair, eine Stadt, die tatsächlich den Namen, die Hauptstadt verdient hat?
 
K: Ich finde Kiel sehr schön. Ich liebe Wasser. Meine Familie in der Türkei kommt auch vom Schwarzen Meer. Deshalb brauche generell die Nähe zum Wasser, zum Meer. Ich brauche Zeit für mich, wo ich am Wasser spazieren gehen kann. Deshalb finde ich Kiel sehr toll. Kiel ist nicht zu groß und auch nicht zu klein. Wie erwähnt, studiere ich in Hamburg. Was ich jedoch zu groß finde, da man da zu anonym ist. Deshalb finde ich Kiel schon optimal.
 
Easttalk: Das Stichwort anonym ist gefallen. Findest du, dass nicht nur in Hamburg aber auch in Kiel eine gewisse Anonymität besteht, in Bezug auf diverse soziale Schichten mit Migrationshintergrund?
 
K: Das auf jeden Fall. Also, wenn ich nach Gaarden fahre, eventuell auch nach Mettenhof, könnte es sein, dass ich etwa 80% der Leute kenne. Jedoch, wenn ich nach Dürstenbrook fahren würde, da bin ich mir sicher, dass ich bis auf 2-3 Leute mit denen ich zusammen Abitur gemacht habe,  95 % nicht kenne werde.
 
Easttalk: Woran liegt das?
 
K: Woran liegt das…Ja, wie gesagt meine Eltern kommen ursprünglich aus der Türkei. Ich fühle mich immer noch als Türke. Ich bin mit Türken aufgewachsen. Meine besten Freunde waren Türken. Ein, zwei Deutsche, die ich gemocht hatte waren dabei. Wo ich jedoch mit Laufe der Zeit extreme Probleme mit denen bekommen hatte. Und dementsprechend, hat man sich quasi…
Man fühlt sich immer noch so als eine kleine, evtl. auch eine große Minderheit hier. Und man will sich irgendwie abschirmen. Man will den Leuten zeigen: Ihr habt mich damals so behandelt. Nun könnt ihr machen was ihr wollt. Unser Vertrauen werdet ihr nicht gewinnen. Wir waren stark. Wir sind alleine klar gekommen. Hat sich nichts dran geändert.
 
Easttalk: Woran liegt das deiner Meinung nach? Sind das die Kulturunterschiede, die Mentalität, ist es die Einstellung einzelner Menschen oder der ganzen Gesellschaft?
 
K: Hat auf jeden Fall mit Kultur was zu tun, mit der Tradition was zu tun. Das fängt bei kleinen harmlosen, angeblich harmlosen Witzen, wie keiner Ahnung, also die allgemeine Türkenwitze, wo dran immer hinterher angehängt wird „ Nicht falsch verstehen. Nichts gegen Dich aber… „Aber“ fehlt nie. Solche Sachen halt…
Dass mir ins Gesicht was anderes erzählt wird, ich später von den anderen Personen erfahren muss, was die Person wirklich über mich denkt. So was, kannte ich nicht, so was geht bei uns nicht. Wenn ich ein Problem mit jemand habe, dann sage ich es ihm ins Gesicht: „Du hast so was gesagt, du hast das gemacht, ich finde es nicht in Ordnung.“ Ich versuche darüber zu reden...Aber, aber ich spiele niemandem was vor. Das habe ich zu sehr erlebt.
 
Easttalk: Es ist eine gute eigene Einstellung. Wie schwierig war das für dich persönlich, in dieser Kultur aufzuwachsen? Du hast deine Schule absolviert, du hast dein Abitur gemacht, du studierst, was ziemlich viele, auch Deutsche nicht schaffen. Wie schwierig war es für dich persönlich…
 
K: Für mich persönlich war das extrem schwer. Da ich erstmal mit mir selber kämpfen musste. Ich war mir nicht im Klaren, was ich will, was ich machen wollte. Mein Umfeld: Ich bin fast der einzige, der sein Abitur gemacht hat. Bei mir hängt es damit zusammen, dass meine Familie immer hinter mir stand, mich immer gefördert hat, mich quasi auch unter Druck gesetzt hat, damit ich mein Abitur schaffe. Wir sind bewusst nicht nach Gaarden gezogen, wo uns zahlreiche Wohnungen angeboten wurden, damit ich halt einigermaßen, in Anführungsstrichen, ein ordentliches Umfeld bekomme und was für meine Zukunft tue… Deshalb war das für mich ziemlich schwer…
Es fing schon in der Grundschule an, wo ich benachteiligt wurde, aufgrund, wie meine Lehrerin sagte, meiner Muttersprache die Türkisch sei…
 
 
Das Easttalk - Team bedankt sich bei Koray.
 
(*) Name aus Datenschutzgründen geändert!
 

 

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