Interview mit Kaya Yanar

Autor: Alexej Kinder und Stergios Stavropoulos | Tags: interview kultur интервью культура

Biographisches:

 

Kaya Yanar (* 20. Mai 1973 in Frankfurt) ist ein türkisch-deutscher Komiker und Fernsehmoderator.

 

Yanars Eltern sind türkisch-arabischer Herkunft und kommen ursprünglich aus der türkischen Provinz Hatay / Antakya. Er spricht nach eigenen Angaben nur schlecht Türkisch und kein Arabisch. Er besuchte in Frankfurt am Main das humanistische Heinrich-von-Gagern-Gymnasium und machte dort 1992 Abitur. Er studierte anschließend an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Amerikanistik, Philosophie und Phonetik, brach die Studien jedoch ab. Seine Erziehung beschreibt der Komiker als recht liberal.

 

Im Jahr 2001 wurde Kaya Yanar einer breiteren Öffentlichkeit durch die Comedy-Sendung „Was guckst du?!“ bekannt, in der er moderierte und die Hauptrollen der Sketche spielte. Er verwendete darin ironisch länderspezifische Stereotypen.

 

Außerdem moderierte Yanar im Jahr 2007 im ZDF die Multi-Kulti-Show „Kaya Yanar testet Deutschland“.

 

Kaya Yanar machte mehrere Tourneen und veröffentlichte Mitschnitte von ihnen auf CD und DVD. Sein Programm „Made in Germany“ wurde von RTL im Samstagabendprogramm gezeigt und hatte im Durchschnitt vier Millionen Zuseher.

 

Auszeichnungen:

 

  • 2001: Deutscher Fernsehpreis Beste Comedy für Was guckst du?!
  • 2001: Deutscher Comedypreis Beste Comedy-Show für Was guckst du?!
  • 2001: Goldene Romy Beste Programmidee für Was guckst du?!
  • 2005: Grüne Palme für Besondere Verdienste um die Völkerverständigung

 

Veröffentlichungen:

 

CD:

  • Suchst du?! (2001)
  • Welttournee durch Deutschland (2003)
  • Made in Germany Live (2008)

 

DVD:

  • Was guckst du?! – Best of Staffel 1-4 (2004)
  • Made in Germany Live (2008)

 

(Quelle: www.wikipedia.de, die freie Enzyklopädie (Stand: 08-06-19))

 

Frage 1.: Ihre Auftritte basieren häufig auf türkischen Klischees und Stereotypen. Bekommen Sie eigentlich auch negative Rückmeldungen von ihren Landsleuten bzw. gibt es Landsleute, die diese Art von Humor nicht verstehen?

 

Kaya Yanar: Ich denke, solange man die Leute respektiert, die man karikiert und wirklich versucht zu verstehen, wird man immer positive Resonanzen bekommen. Meine Art von Humor hat eine wohlwollende Intention. Dann ist der Humor eine Art Frotzeln zwischen zwei Brüdern, die sich mögen.

 

Frage 2.: Wenn ich mich nicht täusche gab es einen Auftritt in Istanbul. Wie ist die Show in der Türkei angekommen?

 

Kaya Yanar: Sehr gut. Es waren ca. 1.000 Deutsch sprechende Türken und auch Deutsche anwesend. Wir hatten viel Spaß.

 

Frage 3.: Als Sie die Geschichte über das türkische Konsulat erzählt haben, gab es einen Moment wo es auf ein Mal sehr Still im Saal wurde, und zwar an der Stelle wo Sie sagten, dass Sie ihren türkischen Pass abgegeben haben und danach hätte man das Gefühl, dass Sie sich ein wenig rechtfertigen mussten. Werden Sie dafür in der türkischen Gesellschaft verurteilt?

 

Kaya Yanar: Nicht, dass ich wüsste. ich weiß, dass der Pass für einige Leute wichtig ist. Aber ich benutze die Stille gerne, um an der Stelle zu erklären, was der Pass für mich bedeutet: Ein Stück Papier, dass nichts über den Menschen aussagt.

 

Frage 4.: Wie erklären Sie sich den Erfolg ihrer Show "Made in Germany" in Österreich? Versteht man Ihren Humor im Land des Walzers besser als in Deutschland?

 

Kaya Yanar: Ich denke, kosmopolitischer Humor kommt überall auf der Welt an. Da ich meine Comedy auf Deutsch mache, mögen auch die Schweizer [bzw. Österreicher] meine Kunst. Jeder interessiert sich für andere Kulturen.

 

Frage 5.: Sie möchten, dass die Menschen mit Humor etwas über die „Ausländer von nebenan“ erfahren. Machen Sie dadurch die Völkerverständigung zwischen den Menschen zum Ziel Ihrer Arbeit?

 

Kaya Yanar: Das kann ich niemandem abnehmen, Völkerverständigung passiert nicht im großen Rahmen, sondern von Mensch zu Mensch. Aber ich denke, meine Fans sind sehr kulturinteressiert und haben viel Humor, das verbindet.

 

Frage 6.: Ein leidiges aber aktuelles Thema: „Parallelgesellschaft“! Was meinen Sie, warum die Medien darüber meist nur im negativen Sinne berichten?

 

Kaya Yanar: Na ja, weil sie selber jahrelang nichts zum Thema beigetragen haben und das nun leider auf ausschließlich negative Art und Weise nachholen. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Blätter ihre Auflagen verkaufen müssen, und da funktioniert eine negative Schlagzeile nun mal besser als eine positive.

 

Frage 7.: Ab dem 1. September 2008 soll der Einbürgerungstest eingeführt werden. Wird es Ihrer Meinung nach die Integration der zugewanderten Menschen fördern? Wo hat Ihrer Meinung nach Deutschland Fehler bei der Integrationspolitik gemacht?

 

Kaya Yanar: Es ist zumindest ein Ansatz und ich kann Deutschland verstehen, wenn es seine Werte und das Grundgesetz respektiert haben möchte. Das ist selbstverständlich. Integration war jahrelang nur ein wirtschaftlicher Faktor. Allerdings für beide Seiten. Nun haben wir nicht mehr 1960, sondern 2008 und [nun] haben die Völker gemerkt, dass es für ein Zusammenleben noch andere Faktoren gibt. Im Allgemeinen ist es gut, dass eine Diskussion stattfindet.

 

Frage 8.: Das aktuelle Programm „Made in Germany“ gibt es Live, seit März auf DVD und sogar im Fernsehen zu sehen. Worin liegt für Sie der Unterschied, außer dem Feeling bei einem Live-Auftritt?

 

Kaya Yanar: Das Programm verändert sich ständig. Es ist organisch und es wird immer besser. Klar, je öfter man es spielt, desto mehr kann man an der Qualität arbeiten. Live sind alle Comedy-Programme besser von allen Comedians, das ist zum Glück so. Das Fernsehen kann die Live-Atmosphäre niemals ersetzen.

 

Frage 9.: „Was guckst Du?! - der Film" soll demnächst kommen. Können Sie uns schon etwas darüber erzählen?

 

Kaya Yanar: Der soll schon seit 3 Jahren kommen, hehehe. Ehrlich, ich kann nichts drüber sagen, es gibt eine Idee und ein paar Drehbuchseiten, aber wenn die Zeit kommt, dann wird es passieren.

 

Frage 10.: Sie reisen gerne. Welches Land haben Sie als nächstes im Visier?

 

Kaya Yanar: China, ich würde mir gerne mal aus nächster Nähe ansehen, wie die Leute da so drauf sind.

 

Frage 11.: Wie sehen Ihre weiteren Zukunftspläne aus? Film, Fernsehen, Bühne?

 

Kaya Yanar: Mit alles, bitte!

 

Frage 12.: Gerade läuft die Fußballeuropameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Falls Sie die Spiele verfolgen, könnten Sie sich ein Finale Deutschland - Türkei vorstellen? Wie würde es Ihrer Meinung nach ausgehen?

 

Kaya Yanar: Die Deutschen haben die talentierteren Spieler, aber die Türken den wohl größten Kampfgeist der EM 08. Was die bis jetzt abgeliefert haben war sehr beeindruckend. Die Wasserschlacht von Basel und das Spiel gegen die Tschechen waren definitiv die Highlights. So macht Fußball richtig Spaß! Egal, wie das Spiel ausgeht, für mich gäbe es dann nur Gewinner.

 

Frage 13.: Dürfen wir bei der Veröffentlichung des Interviews auf "www.EastTalk.de" Ihre im Internet kursierenden Biografien verwenden (z.B. auf http://de.wikipedia.org/wiki/Kaya_Yanar)?

 

Kaya Yanar: klar.

 

Das EastTalk-Team dankt Kaya Yanar und seinem gesamten Team für die Unterstützung sowie die aufgebrachte Zeit und wünscht für die Zukunft alles Gute!

 

 

(Das Interview wurde auf die neue Rechtschreibung hin korrigiert; Änderungen und Überarbeitungen wurden mit eckigen Klammern [ ] gekennzeichnet!).

sta/ET
 

Sag's weiter:  Twitter Facebook Google Buzz

Suche

Wetter



Login

Username:

Passwort: