Interview mit Helene Leonida Luig - Arlt (Teil I.)

Autor: WebStar | Tags: interview theater rdb kultur flensburg migration helene luig artl;interview

 

Easttalk – Staff traf sich Ende November 2008 mit Helene Leonida Luig-Arlt. Die Diplompädagogin Frau Luig-Arlt, geboren 1952 in Flensburg ist die erste Vorsitzende des Kreisverbandes Schleswig-Flensburg der Freundschaftsgesellschaft West-Ost in Schleswig-Holstein. Sie ist stellvertretende Landesvorsitzende dieser Gesellschaft und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher West-Ost-Gesellschaften e.V. (BDWO). Sie ist selbständig und arbeitet in den Bereichen nachhaltige, gesunde Stadtentwicklung und Begleitforschung. Des Weiteren arbeitet sie in dem beratenden Arbeitskreis des Kooperationsverbundes der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur Gesundheitsförderung von sozial Benachteiligten mit. Nicht zuletzt engagiert sie sich stark für den Ost-West Dialog mit Russland und den GUS-Staaten (Leitung des Arbeitskreises West-Östlicher Fachaustausch/nachhaltige, gesunde Stadtentwicklung/Agenda 21 des BDWO www.bdwo.de) mit Veröffentlichungen zu den genannten Arbeitsschwerpunkten.
 
 
 
Easttalk – Frage: Was fasziniert Sie an Flensburg und der Flensburger Umgebung? Zum Beispiel im Gegensatz zu Berlin?
 
Fr. L. - Arlt: Da ich selbst hier in Flensburg geboren bin und sehr viel von Flensburg schon kenne, ist die Faszination nicht mehr ganz so groß. Mir ist Flensburg ein bisschen zu provinziell. Das kulturelle Angebot ist relativ gering und - gerade weil Berlin auch gefallen ist- man kann es zwar nicht miteinander vergleichen, aber ich sag mal auch in Hinblick auf das Thema „Integration“ gibt es hier zu wenig Veranstaltungen von Gruppen mit Migrationshintergrund. Die Toleranz und das Interesse daran erscheinen mir zu gering.
 
Easttalk Frage: – Was fehlt denn da konkret? Von der kulturellen Seite her gesehen?
 
Fr. L. - Arlt: Ich würde einfach ein etwas größeres Angebot haben wollen. Es gibt eine Anzeigenreihe in der Tageszeitung: Es gibt, wenn wir Glück haben eine Veranstaltung, einmal Theater oder einmal Konzert. An manchen Tagen überhaupt nichts, außer Kino oder irgendwelche Ausstellungen, die aber sehr im regionalen Rahmen sind.
 
Easttalk – Frage: Haben Sie schon die Russisch-Deutsche Bühne besucht?
 
Fr. L. - Arlt: Na klar, na klar...
 
Easttalk – Frage: Da wird aber auch zu wenig aufgeführt?
 
Fr. L. - Arlt: Ja. Das finde ich auch. Ich finde es sehr, sehr schade, dass sehr viele Stücke, oder bisher alle Stücke, soviel ich weiß, maximal ein, zwei Mal in deutscher oder russischer Sprache aufgeführt werden. Und dann werden sie abgesetzt. Dann sieht man sie eigentlich hier kaum wieder.
 
Easttalk – Einwand: Allerdings hatte man „Das Pfänderspiel“ allein in diesem Jahr schon zwei Mal aufgeführt, obwohl die Premiere vor 3 Jahren war. Das heißt irgendwelche Stücke werden auf jeden Fall nochmals aufgeführt.
 
Fr. L. - Arlt: Aber die Werbung ist zu gering….
 
Easttalk – Einwand: Es gibt auf jeden Fall ein neues Stück, das stimmt schon, wir arbeiten daran, machen Werbung
 
Fr. L. - Arlt: Ist zu gering…
 
Easttalk: Man versucht das Beste daraus zu machen, was die Möglichkeiten hier ergeben… Gut, kommen wir zu einer anderen Frage: Wie wird Ihrer Meinung nach die Migrationspolitik in Flensburg durchgeführt? Sie haben sich damit nicht näher beschäftigt aber trotzdem von Außen her gesehen?
 
Fr. L. – Arlt: Also, es gibt ja Städte, ich denke mal so an die größeren Städte natürlich wie Hannover, Hamburg, Berlin die haben Migrationsbeauftragte. Das wäre eigentlich ein guter Ansatz, dass man in der Stadt (Flensburg) jemanden hat, der sich speziell um diese Zusammenarbeit kümmert. Es gibt einige Engagierte, egal ob man es von russischer oder türkischer Seite her sieht. Aber es sind immer nur wenige einzelne Personen, und für diese ist es ganz schwer, in die deutschen Strukturen und die ganze Bürokratie, die dahinter steht, auch hinein zu kommen und diese Strukturen überhaupt erstmal zu kennen. In den öffentlichen Arbeitsplätzen, vom Kindergarten bis in die Verwaltung, müssten am besten auch Personen mit bikulturellen Hintergrund vertreten sein. Sowohl, um ihren kulturellen Erfahrungen einzubringen, sei es vom Glauben her oder unter dem Aspekt der Kultur und der Mentalität, als auch mit der Kenntnis sich gegenüber und in deutschen Strukturen bewegen zu können. Sie müssen allerdings die Sprache können, ohne Sprache geht gar nichts! Wenn man hier leben möchte und sich entschieden hat, hier bleiben zu wollen, muss man die Sprache beherrschen und die Strukturen kennen.
 
Easttalk – Frage: Würden Sie also sagen, dass ein Koordinator, der für diese Aufgaben und Fragen zuständig ist, für die türkische, die russische oder anderen Gemeinden nicht verkehrt wäre?
 
Fr. L. - Arlt: Ja, dies denke ich. Die Menschen, die zwei Kulturen, zum Beispiel Russland/Deutschland oder Türkei/Deutschland, kennen, kann man unter dem Aspekt des Migrationshintergrundes, vergleichen. Aber ein Russischstämmiger kann nicht für Türken sprechen oder umgekehrt. Man kann höchstens, Probleme, mit eventueller Ausgrenzung, mit Diskriminierung ansprechen, die sind ähnlich. Das passiert vielleicht einem Mittel-Europäer weniger. Wenn jemand als Franzose oder als Engländer dasteht, der wird weniger mit diesen Problemen zu tun haben. Ich denke dazu zählen bestimmte andere Gruppierungen. Dazu zählen in gewissem Umfang nach wie vor Russen, dazu zähle nach wie vor die Türken.
 
 
Fortsetzung folgt...
 
 
Ihr Easttalk - Team

 

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