Interview mit Lena Gorelik

Autor: Alexej Kinder | Tags: interview kultur Lena Gorelik

Lena Gorelik (* 1. Februar 1981 in Leningrad) ist eine deutsche Journalistin und Schriftstellerin.

 

Lena Gorelik emigrierte 1992 zusammen mit ihrer russisch-jüdischen Familie als Kontingentflüchtling aus Russland nach Deutschland. Sie erhielt ihre Ausbildung zur Journalistin an der Deutschen Journalistenschule in München. Anschließend absolvierte sie den Studiengang Osteuropastudien an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

 

Gorelik veröffentlicht sowohl belletristische als auch wissenschaftliche Texte und Reiseliteratur. Für ihren Romanerstling „Meine weißen Nächte“ erhielt sie 2005 den Bayerischen Kunstförderpreis. 2007 wurde sie für „Hochzeit in Jerusalem“ für den Deutschen Buchpreis nominiert.

 

Bibliografie

 

  • Meine weißen Nächte (2004 u. 2006)
  • Hochzeit in Jerusalem (2007)
  • Verliebt in Sankt Petersburg. Meine russische Reise(2008)


(Quelle: teilweise www.wikipedia.de, die freie Enzyklopädie (Stand: 2008-08-07))

 

Interview mit Lena Gorelik

 
Frage 1.: Sie und Ihre Familie sind 1992 als "Kontingentflüchtling" nach
Deutschland gekommen.
Warum Deutschland, wenn es auch z.B. USA, Israel oder Australien sein
könnte?

 

Lena Gorelik: Australien? Ich wäre gerne zu den Kängurus ausgewandert! Ich glaube, meine Familie wusste nichts darüber, dass man auch nach Australien auswandern kann! USA war wegen Aufnahmebedingungen nicht möglich, und in Israel war es meiner Familie einfach zu heiß. Sehr banale Gründe. Die aber zu einer guten Entscheidung geführt haben.

 

Frage 2.: In Ihrem Interview mit „Die Welt“ steht:
„...1992 ist sie wegen wachsendem Antisemitismus und einer ungewissen Zukunft mit der russisch-jüdischen Familie nach Deutschland übergesiedelt...“ Haben Sie ein konkretes Beispiel für den damaligen Antisemitismus in Russland?

 

Lena Gorelik: Ja. Ich wurde als "Jüdin" auf dem Spielplatz beschimpft. Mein Vater wurde in der Bahn als "Jude" beschimpft; ihm wurde nahegelegt, nach Israel zu gehen, wo alle Juden hingehören.

 

Frage 3.: Wie erklären Sie sich den Erfolg ihrer Bücher bzw. der Bücher von Wladimir Kaminer in Deutschland?

 

Lena Gorelik: Ich würde mich nicht mit Wladimir Kaminer vergleichen (lächelt).

 

Frage 4.: Was macht Ihrer Meinung nach Ihre Bücher aus?

 

Lena Gorelik: Humor. Political incorectness manchmal. Unterhaltsamkeit trotz schwieriger Themen.

 

Frage 5.: Was muss Ihrer Meinung nach ein moderner Schriftsteller mitbringen (Kompetenzen, Talent etc.) um Erfolg zu haben?

 

Lena Gorelik: Schreibtalent. Und spannende Geschichten. Vielleicht noch die Bereitschaft, mit dem Publikum in Kontakt zu treten, das ist das Neue.

 

Frage 6.: Was haben Sie davon, was macht Ihren Erfolg aus?

 

Lena Gorelik: Ich denke, ich schreibe über Dinge, die viele beschäftigen, aber mit Humor. Vielleicht ist es diese Mischung, die meine Bücher interessant macht? Sie müssen die Leser fragen!

 

Frage 7.: Was bedeutet es für Sie persönlich so jung so großen Erfolg zu haben?

 

Lena Gorelik: Meistens staune ich darüber und kann es nicht fassen. Manchmal macht er mir Angst. Manchmal bin ich stolz.

 

 

Frage 8.: Wie wird man eine „freie Journalistin“ bzw. Autorin?

 

Lena Gorelik: Man schreibt. Man schreibt so lange, bis man jemanden findet, der sich dafür interessiert, was man schreibt. Und dann schreibt man weiter.


Frage 9.: War es ihr Traum Schriftstellerin zu werden oder sind Sie da eher "hineingerutscht"?

 

Lena Gorelik: Ich wollte schon immer schreiben. Als ich vier war und lesen gelernt habe, habe ich gesagt, ich möchte Schriftstellerin werden. (Anfangs wollte ich Soschtschenko werden, um genau zu sein, weil ich seine Kindergeschichten so toll fand).

 

Frage 10.: Machen Sie die Völkerverständigung zwischen den Menschen zum Ziel Ihrer Arbeit?

 

Lena Gorelik: Nein, nicht zum Ziel. Aber wenn so etwas wie mehr Verständnis füreinander dabei herauskommt, freue ich mich sehr.

 

Frage 11.: Worüber wollen Sie schreiben wenn Sie das Thema „Asylant“ ausgeschöpft haben?

 

Lena Gorelik: In dieser Welt gibt es doch hoffentlich mehr Dinge, über die man schreiben kann. Im Moment denke ich über Generationen nach. Und wie sich die unsrige von der unserer Eltern und Großeltern unterscheidet.

 

Frage 12.: Der Begriff „Heimat“ hängt für Sie unmittelbar mit dem Begriff „Sprache“ zusammen. In welcher Sprache denke Sie?

 

Lena Gorelik: Deutsch. Außer Zahlen: Die denke ich manchmal Russisch.

 

Frage 13.: Ab dem 1. September 2008 soll der Einbürgerungstest eingeführt werden. Wird es Ihrer Meinung nach die Integration der zugewanderten Menschen fördern? Wo hat Ihrer Meinung nach Deutschland Fehler bei der Integrationspolitik gemacht?

 

Lena Gorelik: Ich glaube nicht, dass ein Integrationstest die Integration fördern kann. Integration wird doch nicht durch einen Test geschaffen. Integration ist für mich ein Prozess, an dem beide Seiten - die zu Integrierenden und die Integrierenden gleichermaßen beteiligt sein müssen. Integration ist ein beidseitiger Prozess, bei dem sich beide Seiten beeinflussen. Deutschland hat lange den Fehler gemacht, sich selbst nicht als Einwanderungsland zu begreifen; dies hat dazu geführt, dass viele Chancen der ersten Stunden verpasst wurden.

 

Frage 14.: Wird eines Ihrer Bücher verfilmt? Ist etwas davon in Planung?

 

Lena Gorelik: Nichts Konkretes. Ich fände es toll, Anja mal auf der Leinwand zu sehen.

 

Frage 15.: Der Schriftsteller Rainald Goetz hat seinen Drang zur Selbstinszenierung beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt 1983 unter Beweis gestellt: Dort hat er sich während einer Lesung die Stirn aufgeschlitzt, das Blut floss ihm in Strömen die Stirn herunter, doch er las einfach weiter. Könnten Sie sich u. U. vorstellen einen Ihrer Texte so zu "performen"?

 

Lena Gorelik: Nein. Dazu bin ich ein zu großer Angsthase. Außerdem finde ich, dass Literatur für sich wirken sollte, auch ohne Blut.

 

Frage 16.: Wie sehen Ihre weiteren Zukunftspläne aus?

 

Lena Gorelik: Schreiben. Schreiben. Weiter schreiben. Nicht schreiben. Dann wieder schreiben. Ich möchte gerne einen Hund.

 

Frage 17.: Dürfen wir Ihre Biographie bzw. andere Interviews als Stütze für einen Bericht über Sie auf unserer Homepage (http://www.EastTalk.de) benutzen? Sie müssen nicht „Ja“ sagen, Sie können auch drei Mal „meinetwegen“ Sagen (insider)!

 

Lena Gorelik: Meinetwegen. (lächelt) Ich weiß nicht, ob es rechtliche Probleme gibt, mit Sicherheit aber nicht mit mir! (lächelt)

 

Hier geht es zu Diskussion "Lena Gorelik und ihre Werke"

 

 

(Alexej Kinder bedankt sich bei Lena Gorelik für das Interview)

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