Die Waffel

Autor: 3apalove | Tags: waffel-geschichte

 Die Waffel

 

Woran denkst Du, du lieber Leser, wenn du eines Abends in die Stadttumulte untertauchst, die fremde Gesichter, mit unterschiedlichsten Gesichtsausdrücken an dir vorbeiziehen und Du deinen Weg durch die Menschenmasse mit einem schnellen aber gleichmäßigen Schritttempo freimachst? Wirst Du nervös, wenn die Menschen Dich von allen Seiten als einen Fremden anschauen und Dich komplett mit ihren Blicken von unten nach oben durchbohren?

 Du schaust auf die Uhr und gehst weiter, denn Du bist verabredet. Du drehst Dich rechts, die gleiche leichte Bewegung links – immer noch diese versteinerte Mienen. Du schenkst ihnen dein Lächeln und schreitest etwas schneller aber unbiegsam durch die Menge voran. Gleich hinter der Apotheke biegst Du rechts in eine kleine Gasse und fließt nicht mehr gegen den Abendstream. Du kennst diese kleine, weihnachtlich geschmückte Gasse, mit dem alten gepflasterten Weg, umgeben von alten Häusern mit schönen Fensterrahmen und massiven Holztüren, und welche nach etwa dreißig, vierzig Schritten Dich zu Parallelstraße führt. Und plötzlich ist es da…Wie die ersten Noten deines Lieblingssongs spürst Du den Duft, dieser unvergesslicher Duft, nach der gerade gebackenen Waffel, die nun mit dem Puderzucker bestreuet wird. Du wirfst einen schnellen Blick dorthin, woher dieser unvergesslicher Duft kam. Deine Augen fixieren die in Herz geformte Waffel, welche von einer jungen Frau, in einem grünen, mit Weihnachtsmuster gestrickten Pullover, einer fettgepolsterten roten Weste und einer kleinen weißen Mütze, die das blonde Lockenhaar verdeckt, aber trotzdem noch genug Raum gibt um das Gesicht und insbesondere die tiefblauen Augen zu sehen, weiter an den kleinen Jungen, der ebenfalls diesen Duft gierig einamtmet, gereicht wird. Du schaust nun diese Frau an, musterst sie von oben bis nach unten, keine Bewegung von ihr entgeht deiner Augen. In diesem Moment dreht sie sich um und irgendwo in Dir kommt plötzlich das Gefühl auf, dass es angebracht wäre, einfach zur Seite zu schauen. Aber du starrst sie weiter an, wie benebelt stehst Du da und kannst diese innere Verbindung nicht brechen. Und sie erwidert deinen Blick nicht, sie schenkt Dir sogar ein Lächeln. Es ist keiner von diesem künstlichen, aufgepimpten Lächeln, sondern dieses leiche, dieses echte, das wahre Lächeln. Was für ein Genuss ist es zu sehen, wie die schönen weißen Zähne, abgerundet von markanten roten Lippen das schöne, charismatische Gesicht einer jungen Frau vervollständigen und Du wieder in Gedanken vertieft, den dringenden Wunsch hast, den letzten Strich zur vollkommenen Perfektion dieses Bildnisses der wahren Schönheit zu vollziehen. Dieser Duft… Bumm… Es verteilt sich überall in der Gasse… Bumm… Es klebt an den Steinen, an der Wand, an den Dächern der Häuser. Bumm… Und schon fühlst Du dich geborgen, fast häuslich, umgeben von einer Aura positiver, unvergesslicher Momente... Bumm… Bumm… Bumm… Sechs Mal… Sechs Mal läuteten die Glocken, der St. Petri Kirche. Das Treffen ist um sechs, es ist sechs Uhr Abends. Du schöner Duft, ich muss dich verlassen... Es wird an der Zeit sich von dieser "Intimität" zu verabschieden und wieder mit großen Schritten den Weg durch die Menschenmenge zu beschreiten…

 

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